| 1295, zum ersten Mal urkundlich gesichert erwähnt als Noythusen gehörte Noithausen zum Herrschaftsbereich des Deutschen Ordens mit dem Verwaltungszentrum der Kommende Elsen und zum Herrschaftsbereich des Kölner Erzbischofs. In der am 21. Februar 1295 ausgestellten Urkunde übertragen Gerard von Nievenheim und seine Gattin Alverada dem Deutschordenshause zu Coblenz 72 Morgen Ackerland aus 2,5 Mansen, die zu zwei Höfen gehörten, von denen der eine Noythusen (Noithausen), und der andere, den er selbst bewohnt, bei Arken (Orken) gelegen ist. Die Höfe und Mansen, die er von den genannten Ordensherren zu Lehen besitzt, liegen innerhalb der Grenzen der Pfarrei Elsen beim Dorf Noithausen (Else iuxta villam Noythusen) und grenzen auf der einen Seite gegen Hemmerden (Hemerden) an die Äcker des Ritters, Herrn Hermann von Ymelinhusen, und auf der andern gegen Eisen zu an 10 Morgen Land, die er von Dekan und Kapitel zu St. Gereon in Köln besitzt. Der Kaufpreis beträgt 90 Mark; die Äcker sind in drei Teile aufgeteilt und für drei Saaten bestimmt. Der Sohn jenes eben erwähnten Hermann von Ymelinhusen, Gerard, verkauft 1297 seinen Hof in Noythusen (Noithausser Hoff) mit allen Häusern, für 640 Kölner Mark, den er bis dahin vom Orden zu Lehen besaß. (in der Urkunde vom 30. September 1297) Gererd verpflichtet sich, wenn seine Geschwister, sobald sie rechtsfähige Handlungen ausüben dürfen, die verkauften Güter dem Orden nicht auflassen wollen, er in Brugche (Grevenbroich) in einer anständigen Herberge bei einem guten Wirt, ein Einlager leisten werde bis die Brüder und zufrieden gestellt sein werden. Ein Einlager ist eine-Form der Selbstbürgschaft im späten Mittelalter,wobei der Schuldner auf freiem Fuß blieb, sich aber verpflichtete, im Falle der Säumnis auf Mahnung hin, sich bis zur endgültigen Zahlung als Geisel an einen bestimmten Ort, meist eine Herberge, zu begeben und dort zu bleiben. Die Kosten des Einlagers trug der Schuldner. Das-Einlager war besonders beim Adel gebräuchlich. Nun das Einlager mußte offensichtlich nicht getestet werden, da 1320 Ritter Rabodo von Immelhusen und seine Frau Aleydis mit Zustimmung des Erzbischofs von Köln für sich und ihre Erbern auf alle Rechte an dem Hof Noythusen verzichteten, den Rabados Bruder Gerard dem Deutschordenshaus einst verkauft hatte. Der ehemalige Hof des Gerhard von Nievenheim (Noithausser Hauss), 1295 urkundlich erwähnt, gelangte nach 1320 an die niedere Adelsfamilie von Hochstaden. (Diese Herren schreiben sich von Hochstaden oder von Hochsteden) 1331 wird unter den Söhnen des verstorbenen Ritters Wilhelm von Hochstaden, Arnold, Heinrich, Wilhelm und Johannes, eine Erbteilung vorgenommen, die u. a. auch den Hof in Noithausen betrifft. Im Jahre 1400 dann tragen Ritter Wilhelm von Hochsteden und seine Söhne dem Erzbischof Friedrich III. von Köln ihr Burghaus Noithausen zum Offenhäus und Lehn auf. "Offenhaus/Uffenhuys" bedeutete, daß das Haus dem Erzbischof stets offenstehen mußte, um sich in Kriegszeiten dort zurückzuziehen und zu verteidigen. Der Besitzatlas des Deutschen Ordens in Elsen, angefertigt zwischen 1759 und 1761, enthält ein Kartenblatt, auf dem sehr anschaulich das Aussehen der Burg vermittelt ist. Die ausgedehnte Burganlage bestand aus Haupt- und Vorburg, war von Wassergräben umgeben, eine steinerne Brücke führte von der Vor- zur Hauptburg. Das dreigeschossige Herrenhaus, an den Ecken zur Vorburg flankiert durch zwei quadratische Türme, muß ein beeindruckender Bau gewesen sein. Die Vorburg war ein dreiseitig bebauter geschlossener Wirtschaftshof. Die Hauptdurchfahrt des Wirtschaftshofes, in Backstein errichtet, bildete ein Rundbogenportal, von Trachytblöcken eingefaßt. In Form von Eisenankern war das Baudatum des Wirtschaftshofes, das Jahr 1700 , vermerkt. Vorläufer hatte diese Burg mit Sicherheit. Die Reste des äußeren Tores des Wirtschaftsgebäudes der Anlage stehen heute noch. Das am Giebel eingemauerte Allianzwappen derer von Quadt zu Wickrath und Freiherrn von Schwerin ist schon seit langem das Noithausener Bürgerschützen Vereinswappen. An die Kapelle zu Noithausen, gestiftet im Jahre 1368 von Ritter Arnold von Hochsteden, erinnern sich mit Sicherheit noch die älteren Noithausener und Noithausenerinnen. Es war ein kleiner Backsteinbau mit dreiseitigem Chorschluß und je zwei großen rundbogigen Fenstern an den Längsseiten. Auf dem Dach befand sich ein schmiedeeiserner Aufsatz mit einem Wetterhahn. Die Kapelle, der Gottesmutter Maria geweiht und Wallfahrtsort, unterstand als Rektorat der Pfarre Elsen. Der alte Bau stürzte 1780 ein und der Neubau wurde 1797 geweiht. Bis 1902, dem Jahr der kirchlichen Unabhängigkeit, besaß Noithausen keine Pfarrechte. Der jeweilige Rektor als Geistlicher der Kapelle (vom Elsener Pfarrer vorgeschlagen und vom Domprobst die Ernennung und Einführung vorgenommen) durfte weder Sakramente spenden noch predigen. An Hauptfesttagen des Jahres wie Ostern, Palmsonntag, Allerheiligen usw. durfte in der Noithausener Kapelle keine Messe gelesen und nicht geläutet werden. Die Einwohnerschaft Noithausens wurde angehalten regelmäßig am Meßopfer in der Mutterkirche Elsen teilzunehmen. Darüberhinaus gab es noch eine Menge Regelungen bezüglich der Messenabhaltung in der Noithausener Kapelle. 1798 erlaubte der Elsener Pfarrer nach inständigem Bitten der Noithausener Bevölkerung, daß diese während der Winterzeit von November bis Januar ausgenommen an Allerheiligen, Weihnachten und Stephanstag am Gottesdienst in der Kapelle teilnehmen durften. 1902 erhielt Noithausen endlich die Erlaubnis über die Errichtung einer selbständigen Kapellengemeinde. Die Grenzen des neuen Seelen- bzw. Seelsorgebezirks wurden abgesteckt, die Gläubigen mußten nicht mehr den damals weiten Weg zur Pfarrkirche nach Elsen auf sich nehmen. Es vergingen noch 18 Jahre, bis am 21. September 1930 die neue Pfarrkirche "Mariä Geburt" eingeweiht werden konnte. An der Stelle der Kapelle, die schon seit langem baufällig war, wurde die Kirche erbaut. Es bestanden schon seit etwa 1904 Wünsche und Bemühungen einen Kirchenneubau zu bewerkstelligen. Ein eigens dafür ins Leben gerufener Bauverein sammelte Geld, doch unglücklicherweise fielen die bereits gesammelten Gelder dem Ersten Weltkrieg und der darauf folgenden Inflation zum Opfer. Doch die Bevölkerung Noithausens ließ sich nicht entmutigen und 1926 lebte der Bauverein wieder auf und begann erneut Gelder zu sammeln. Die alte Kapelle wurde abgebrochen, das Grundstück der neu zu errichtenden Kirche abgesteckt. In festlichem Rahmen erfolgte der erste Spatenstich am 6. März 1930 und schon am 21. September des selben Jahres wurde die neuerbaute Wallfahrtskirche mit einer hl. Messe feierlich eingeweiht. Auch Noithausen wurde von den Grauen des Zweiten Weltkrieges nicht verschont, die nationalsozialistische Diktatur, Angst, Tod und Zerstörung bestimmten den Alltag von 1933 bis 1945. Unmittelbar nach Kriegsende war man damit beschäftigt, das eigene Überleben zu sichern, die Trümmer zu beseitigen, den Kindern mehr oder weniger einen akzeptablen Lebensraum zu schaffen. Trotz des persönlichen Leids, des Traumas des verlorenen Krieges, der Erkenntnis, in einem verbrecherischen Staat gelebt zu haben, verdrängte der Überlebenswille die Zweifel, die Trauer sowie die Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit der Situation. Das Leben ging weiter, mußte weitergehen. Ein Eintrag in der Schulchronik der katholischen Volksschule Noithausen vom 15. August 1945 soll als Beispiel herhalten: "57 Kinder des 1. bis 4. Schuljahres sind mit ihren Eltern erschienen. Wir beginnen mit einem Klassenraum, ohne Hilfsmittel und ohne Bücher. Lehrer und Schüler kommen mit gutem Willen, sind bereit, wenn auch noch so einfach weiterzuschaffen und langsam dochstetig voranzuschreiten. Die Schule selbst trägt noch die Spuren der Verwüstung durch Bombenwurf und Artelleriebeschuß. In den letzten Monaten hat Herr Lehrer Wings im Verein mit den Kindern den Schutt beseitigt und den vorderen Klassenraum wieder eingerichtet. Es ist noch sehr luftig, da die Scheiben fehlen. Der zweite Klassenraum ist durch eine Bombe; die auf den Hof fiel, stark beschädigt und vorläufig nicht benutzbar, da Fachleute die Ausbesserungsarbeiten übernehmen müssen." Machen wir einen Sprung in die 1960er Jahre. Die Spuren des Krieges sind beseitigt, die Zeit des Wirtschaftwunders läßt die Bevölkerungszahlen ansteigen, neuer Wohnraum wird benötigt. Seit 1958 entsteht auf etwa 40 Morgen ehemaligen Acker- und Wiesenlandes der Familie Brünlinghaus durch den Bodenwerber- und Siedlerverband ein neues Wohngebiet: "Neu Noithausen". Auf dem Gelände befinden sich auch die alten Gebäude des Noithausener Hauses, des "Alden Hoff s". Von April bis Juli 1962 vermerkt der Chronist in der Chronik der katholischen Volksschule Noithausen: "Die ersten Wohnungen in dem neuen Wohngebiet "Neu Noithausen" werden bezogen. In monatelanger, mühseliger Arbeit wurde in Selbsthilfe zunächst das Gelände erschlossen. Auf der großen Baumwiese (Bongen) vor dem alten Hof fällten die Siedler zuerst alle Obstbäume, lauter ausgewachsene Hochstämme mit breiten Kronen. Von der Schuljugend wurde dies sehr bedauert, denn mancher rotbackige Apfel und manche goldgelbe Birne wurden von ihnen durch ein geheimes Loch in der Hecke geerntet. Auch bildete diese Apfelwiese den Tummelplatz für die 50-60 Schweine des Rittergutes Brünlinghaus. Hier ergötzten sich im Sommer oft jung und alt am übermütigen Treiben der kleinen Ferkel im Morast. Rings um den alten Hof lief früher ein breiter Graben. Nur ein Teilstück des Grabens ist noch vorhanden. Die meiste Zeit im Jahr ist er mit Regenwasser gefüllt. Im Winter versammelt sich hier nachmittags die Schuljugend, um sich auf dem Eise zu erfreuen. Man rutscht, läuft Schlittschuh oder spielt Eishockey. Bald wird auch das ein Ende haben. Den Zufahrtsweg zum alten Hof säumten rechts und links mächtige Ulmen. Einige Leute aus Noithausen versuchten aus Liebe zur Natur und aus Ehrfurcht vor diesen Baumriesen; das Fällen zu verhindern. Es gelang ihnen nicht. Schade! Zwischen dem alten Hof und dem Bahnkörper wuchs ein kleines Wäldchen, das sogenannte `Brünlinghaus'sche Wäldchen : Hier gedieh alles, was immer auch wachsen wollte: ein kleiner Urwald. Hüter und Pfleger dieses Wäldchens war die Dorfjugend. Sie bauten hier ihre Hütten, hier spielten sie Räuber und Gendarm, und hier lebten sie als wilde Indianer. Phantasie und Romantik der Jungenwelt hatten ihr sorgsam gehütetes Dasein. Es ist nicht mehr. Dieses Wäldchen wurde noch vor der Baumwiese abgeholzt. jetzt wartet der alte Hof auf seinen Abbruch. In einigen Wochen soll erfolgen. Mit seinem Bauschutt will man den alten Graben auffüllen. Als Erinnerung bleibt dann nur noch der alte Torbogen, ein Wahrzeichen aus der Geschichte Noithausens. Der alte Torbogen, ein steinernes Relikt, restauriert und unter Denkmalschutz stehend, ein stummer Zeuge einer eindrucksvollen Hoffeste aus längst vergangenen Zeiten ist heute das Wahrzeichen von Noithausen, eines lebens- und liebenswerten Ortes. (Lacomblet Bd.n, Nr.951/Walter Lorenz, Bd.l, Nr.80) (Leopard Korth Bd.l, Nr.30/Giersberg, S.84) (Giersberg, S.85-87/Clemen, S.61/Kirchhotl', S.21-31/Hoppe, 5.163-167) (Chronik der kath. Volksschule-Noithausen Bd.l, 16.Mäiz/21. September 1930) |
